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Ganz im Jetzt – Vergessen, was gestern zu tun war und was es morgen deshalb wieder für n Ärger gibt

30 Okt

Mit einer Freundin unterhielt ich mich vor geraumer Zeit darüber, wie das so ist, wenn man von ehemaligen Schulkameraden oder Schul-AG-Kolleginnen erfährt, was die so machen und dass die manchmal ganz schön erfolgreich und zum Teil auch bekannt damit geworden sind. Das ist ja immer so ein bisschen unbequem, weil es doch schwierig ist, sich so gänzlich von jedem Neid freizumachen, wenn die anderen so unglaublich erfolgreich sind obwohl man doch mal nebeneinander an der Startlinie losgelaufen ist, um ein mühsames Bild zu benutzen. Ja, und wenn man dann schon über den einen oder die andere plaudert, dann fallen einem noch all die anderen ein, von deren steiler Karriere man irgendwann erfuhr, die dann am besten zusätzlich noch eine glückliche Beziehung mit einem interessanten, gutaussehenden Menschen haben und mehrere Kinder großziehen und natürlich auch einen großen Freundeskreis haben und nebenher noch vielfältige Interessen und so…

Ich erinnerte diese Freundin daran, dass zwar sein mag, dass diese Menschen so eine beispiellose Karriere (naja, so beispiellos kann das eigentlich immer gar nicht sein mit den Karrieren, zumindest fallen einem bei so ‘nem Gespräch immer recht viele Beispiele ein…) hingelegt haben, dass sie aber neulich angab, sie habe beim langjährigen Reisen einen besonders bemerkenswerten Effekt gefunden: Sie hat gelernt, im Moment zu leben und jegliche Ambitionen zu verlieren.

Das ist jetzt also die Frage, welcher Logik man da folgt: Im Jetzt leben und nichts planen versus Karriereplanung.

Es folgt ein Versuch, mir einen Überblick zu verschaffen über die Möglichkeit, nichts zu planen: Welche Vorbilder haben junge Menschen für diese Art von Lebenswandel, ist das erstrebendwert, welchen Tätigkeiten geht man am besten nach und was ist unbedingt zu vermeiden? Hier ein kleiner Überblick:

Idole (sind meist cool und haben was mit Kunst zu tun):

  • Amy Winehouse („Try to make me go to Rehab and I say: no, no, no“)
  • Ruth Zaporah (Action Theater: „I have planned nothing and that kept me very busy“)
  • Bobby Mc Ferrin („Don’t worry, be happy“)
  • Janis Joplin („Freedom’s just another word for nothing left to loose“)
  • Goethe (?)

Anhänger:

  • Esoteriker
  • Mönche diverser religiöser Ausrichtungen
  • Punks
  • LangzeitstudentInnen
  • Kleinkinder
  • Hunde
  • diverse andere Tiere

mögliche Berufe/Möglichkeiten im Lebenswandel:

  • Langzeitarbeitslose
  • in Höhlen sitzend meditieren, gerne in warmen Ländern
  • In der Fußgängerzone sitzenKunst machen in der Wildnis leben und sich selbst ernähren
  • in Berliner Cafes sitzen und Kaffee trinken und Leute kennenlernen (ersatzweise an Bushaltestellen, vor Kiosken und Trinkhallen oder auf Spielplätzen)
  • Kinder kriegen und einfach alles nachmachen, was die machen (gibt aber irgendwann Ärger)
  • in der Psychiatrie wohnen und sich mit dortigen Therapien und Gruppenangeboten beschäftigen

Nicht so passend dazu ist:

  • Beamter oder Bänkerin werden
  • Doch dabei Karriere machen wollen
  • kein Geld haben und niemand kennen, der einem dauerhaft welches geben würde
  • Kapitalismus eine ganz gute Sache finden
  • Bundeskanzlerin sein

Klingt doch gar nicht so schlecht. Vielleicht versuche ich es mal eine Weile. Wenn ich erfolgreich sein sollte, biete ich demnächst Seminare an mit Titeln wie

  • Ganz im Jetzt (vergessen, was gestern zu tun war und was es morgen deshalb wieder für ‘n Ärger gibt)
  • Erfolglos glücklich
  • Der sichere Weg in die Aussichtlslosigkeit
  • Planlos ins Morgen
  • Ambitionen verlieren in nur drei Tagen.

Obwohl das sicher wieder viel Planungsarbeit ist…

 

Älter werden ohne Alanis

30 Okt

In Berlin gibt es eine Musikerin, die ihr Programm „Älter werden mit Madonna“ nennt. Sie interpretiert Songs von Madonna und auf ihren Werbefotos sieht sie – natürlich mit Absicht – auch ein bisschen so aus wie Madonna.

Ich sehe nicht aus wie ein Popstar. Auch wie sonst kein Star. Ab und zu werden mir Ähnlichkeiten mit irgendwelchen unbekannten Schauspielerinnen aus US-Serien nachgesagt, aber dann hört das auch wieder auf. Das macht eigentlich nichts, weil ich ohnehin nicht gerne wie jemand anders aussehen würde. Das führt zu unnötigen Verwechslungen und das Arbeiten als Double finde ich eine wenig erstrebenswerte und tendenziell eher beschämende Form der Existenzsicherung.

Als ich Jugendliche oder junge Erwachsene war, hat es eine junge Amerikanerin in die Charts geschafft: Alanis Morisette. Sie war einige Jahre älter als ich und wirklich cool. Und sie war berühmt und beliebt, sie hatte wallend langes Haar (wie ich in diesen Jahren auch). Und sie hatte einen komischen Indie-Tanzstil, ein Un-Stil, der so seltsam war, dass er schon wieder cool war. Sie war bekannt, auf Tour und echt erwachsen. Ich wollte so toll singen wie sie und mit meinen wenigen Akkorden auf der Gitarre stimmte ich regelmäßig laut singend ihren Hit an: „It’s like rääääiiiiiääääin on your wedding day….“ und laut ertönte meine jugendliche Verwunderung über die Ironie des Lebens, die mit dem Liedtext einen passenden Ausdruck gefunden hatte (wenn man nicht so besonders gut Englisch kann… und das war bei mir damals der Fall).

Ich habe schon lange nicht mehr an Alanis Morisette gedacht als ich neulich an einem Plakat vorbeikam. Ich bin einige, wirklich einige Jahre älter geworden und mein Musikgeschmack hat sich seit damals ziemlich verändert. Wenn man sich Fotos von mir ansieht von damals und von heute und meinetwegen auch ein paar von dazwischen, sieht man deutliche Unterschiede. Prozesse des Reifens, der Veränderung und des Älterwerdens natürlich auch. Das ist ok so, ich möchte nicht mehr so aussehen wie zu Abiturzeiten. Und nun stand ich also neulich vor einem Alanis Morisette-Plakat und stellte fest: Alanis ist um keinen Tag gealtert. Sie sieht immernoch genauso wie damals aus. Sie hat keine einzige Krähenfuß-Falte am Auge, keinen Reifeprozess im Gesicht – nichts! Bei ihr ist die Zeit stehengeblieben. Sie ist jetzt viel, viel jünger als ich!

Das gibt mir zu Denken. Was sagt das über sie als Person aus? Und was über ihre Musik? Zu befürchten ist auf jeden Fall, dass sich auch hier nicht viel entwickelt und verändert hat.

Ich werde es vermutlich nicht herausfinden. Ich werde mir keine Konzertkarte kaufen. Das Risiko ist mir zu groß, dass ich inmitten lauter jugendlicher Alanisses stehe und von allen Seiten ins Ohr gebrüllt bekomme: „It’s like rääiiiiäääään….“

 
 

Von Möpsen und Menschen

12 Okt

Möpse sind a) eine ganz hässliche Bezeichnung für etwas sehr Schönes, nämlich weibliche Brüste oder b) eine ganz neutrale Bezeichnung für etwas sehr Hässliches, nämlich kleine faltige Hunde mit eingetreten aussehender Schnauze, unappetitlichem Speichelfluss und abstoßend hechelnder Atmung. Sie sind leider sehr gefragt, in Berlin z.B. und vermutlich auch sonst vielerorts, weshalb man recht häufig, mit derart optisch und auch akustisch1 ungenießbaren Wesen in unfreiwilligen Kontakt tritt, wenn auch meist zum Glück von kurzer Dauer.

Warum ausgerechnet Möpse in Mode gekommen sind, ist mir ein großes Rätsel. So ein Mops ist ja weder schön noch irgendwie praktisch, aufgrund der überzüchteten Daseinsform ist er außerdem Krankheitsanfällig und scheint mir auch sonst auf den ersten Blick (den ich meist zu vermeiden suche, weil ich gerne meine Augen mit schönen Anblicken erfreuen und nicht durch unschöne Aussichten beleidigen möchte) auch zu nichts gut.

Vor geraumer Zeit hörte ich, dass Dackel vom Aussterben bedroht sind. Das ist doch erstaunlich, da sie auch klein und etwas hässlich sind, aber doch wenigstens keine eingetreten aussehende Gesichtsfront aufweisen und zudem zum Jagen gut sind, wenn ich mich recht erinnere. Da es in den letzten Jahren immer mehr wilde Tiere gibt, die sich in Großstädten ansiedeln, könnte das doch bald wieder eine Eigenschaft sein, auf die die Großstadtbewohner Wert legen könnten. Zumal der Genuss von Wildfleisch in heutigen Zeiten für viele nicht erschwinglich ist. Ein Dackel, zumindest als Mischlingsversion, aber vielleicht schon eher. Zudem er, mit dem richtigen Jagdinstinkt ausgestattet, nicht nur Herrchen und Frauchen, sondern außerdem sich selbst ernähren könnte.Gut, erziehen lassen sich Dackel bekanntlich nicht so richtig. Das könnte man aber ihnen auch als punkige Riot-Mentalität zu Gute heißen. Und nicht fruchtende Erziehung ist ja schließlich hier auch teilweise sehr in Mode, z.B. bei den Kindern in angesagten Stadtbezirken…

Ich plädiere also für Dackel als nächste Modehunde. Oder für gar keine Moden mehr in Sachen Haustiere. Eher für mehr Überlegung, welche Tiere man wirklich gerne in der Stadt haben will. Und als Kriterium könnte ja gelten, welche Tiere wohl gerne bei uns in der Stadt leben wollen. Ich mag zum Beispiel gerne die Füchse, die es hier überall gibt. Auf dem Dorf aufgewachsen, habe ich meinen ersten freilaufenden Fuchs am Berliner Ostbahnhof gesehen und seitdem sehr viele. In meinem alten Wohnviertel bin ich manchmal, wenn ich schon sehr früh unterwegs war, von einem Fuchs ein Stück begleitet worden. Das heißt also, dass die Füchse bei uns leben wollen. Und das ist doch schön. So sollte es doch sein, dass jeder da hinziehen darf, wo er hinwill. Und da ein Mops so gar keinen eigenen Willen zu haben scheint, braucht man ihn folglich auch gar nicht weiter zu züchten. Wer nicht will, der hat als Trend dann mal langsam ausgedient.

1Von der olfaktorischen Seite schweige ich an dieser Stelle lieber, das führt zu weit und wird auch wieder nur unnötig eklig. Diesbezüglich bitte bei weiterführendem Interesse die üblichen Berichte von Hunderkotproblematiken in Großstädten sichten…

 

Wahlwerbung 2

07 Okt

Politik von (wirklich sehr weit) unten

 

Wahlwerbung 1

07 Okt

Politik von (sehr weit) unten

 

dagegen 2

07 Okt

Bürgerinitiative in Hessen

 

dagegen 1

07 Okt

Man merkt gleich, wie undogmatisch und humorvoll der Verfasser/die Verfasserin ist!

 

Liebe versus Facebook

07 Okt

 

Ice-gekühlter Bommelunder

07 Okt

Früher gab es nach langen Reisen immernoch Hasenbrote zu essen. Die hießen so, obwohl wir während meiner gesamten Kindheit – und die dauert bei den menschlichen Säugetieren bekanntlich ganz schön lange – nie einen einzigen Hasen zu Hause hatten. Nicht mal leihweise. Und diese Brote wurden von überhaupt keinen Hasen gegessen. Nein, man musste sie selbst essen. (Nach der Schule gab es übrigens auch Hasenbrote, während meiner Schulzeit eigentlich jeden Tag, denn ich aß ein paar Jahre lang grundsätzlich meine Pausenbrote nicht. Zum einen fand ich es untragbar uncool, ein mitgebrachtes Brot zu essen, zum anderen hatte ich, seit ich keine Salami mehr aß, über die restlichen Schuljahre – und derer waren es noch unendlich viele – immer den gleichen Frischkäse auf dem Brot. Scheinbar sah sich niemand – weder ich noch andere – berufen, diesen Zustand zu ändern. Noch heute stellen sich mir die Nackenhaare auf, wenn ich diesen Geruch von Kräuterfrischkäse in die Nase kriege).

Diese Hasenbrote sind also nach vollendeter Reise noch übrig, so wie vieles andere auch. Die Erfahrenen unter jenen, die gerne unterwegs sind, haben irgendwann raus, dass sich bestimmte Lebensmittel besser zum Mitnehmen eignen als andere. Bananen z.B. sind eher was für kurze Reisen und man tut gut daran, sie nicht unten in die schwere Tasche zu packen. Gekochte Eier können für ein heimeliges Gefühl unterwegs sorgen, aber auch für schlechte Stimmung im Bahnabteil. Von Döner rate ich aus diesem Grund in möglichst allen Fällen ab. Schokolade eignet sich nur bei kühleren Temperaturen. Überhaupt ist die Witterung zu bedenken. In den Tropen hat sich bewährt, Wasserflaschen vor Reiseantritt einzufrieren, so man über ein Eisfach verfügt. Das kann man aber auch machen, wenn man plant, in der Sommerferienzeit längere Zeit in einem Stau auf einer bundesdeutschen Autobahn zu stehen.

Um die Haltbarkeit der mitgebrachten Lebensmittel brauchen sich Bahnreisende allerdings – vorausgesetzt, sie sind mit Fernzügen unterwegs – keine Gedanken zu machen. Ganz im Gegenteil: So eine Bahnfahrt kann die durchschnittliche Haltbarkeit von Lebensmitteln deutlich verlängern. Das ist einer der vielen wirklich kostenfreien Serviceangebote der Deutschen Bahn, über die bei dem ganzen Geschimpfe über die Bahn nie berichtet wird. Denn wer, gleich welche Witterungsverhältnisse herrschen, in einen ICE einsteigt, wird erleben dürfen, dass sämtliche mitgebrachte Backwaren beim Aussteigen tiefgefroren sind und, vorausgesetzt, man kommt nach der Ankunft schnell an ein Eisfach, kann zu einem beliebigen Zeitpunkt wieder aufgetaut und frisch genossen werden. Hasenbrote sind also Geschichte.

Das ist eine Tatsache, die sich erst langsam verbreitet. Bei Flugzeugreisen ist es gemeinhin bekannt, dass es eher kühl ist. Daher gab es früher auch die Decken, die alle gerne mitgenommen und zum nächsten Picknick wieder mitgebracht haben. Im Flugzeug wundert es einen ja auch nicht, dass es so kalt ist. Die Außentemperaturen werden ja regelmäßig auf den Monitoren angezeigt und bei minus 30 Grad Celsius und derartigen Größenordnungen kann es schon mal sein, dass man so ein Flugzeug innen nicht richtig warm kriegt, wenn die Fenster beispielsweise nicht mehr so gut abgedichtet sind.

Bei einem Zug mag es einen erstmal verwundern, dass auch bei 30 Grad Außentemperatur innen Minusgrade herrschen. An der Geschwindigkeit alleine kann es kaum liegen, dass es so abkühlt. Zumal man ja auch die Fenster gar nicht mehr öffnen kann, so dass das jetzt auch nicht stimmen würde, wenn ich sagen würde, da zieht’s halt…

Nein, das ist eben durchdachter Service. Das kann man nirgendwo so direkt nachlesen, aber die Servicesachen bei der Deutschen Bahn laufen ja ohnehin eher subtil ab. Also, das heißt, man merkt es oft gar nicht so direkt, wie gut der Service so ist. Daher haben die auch viel Werbung, wo sie reinschreiben, dass der Service exzellent ist, damit da mal ein bisschen Transparenz reinkommt. Aber eigentlich kann man es, was die Kühlung der Lebensmittel und Passagiere angeht, schon am Namen erkennen: ICE! Ist doch klar, dass es da eiskalt hergeht. Im IC ist es dagegen schon wärmer. Wegen dem fehlenden E. Manche Züge haben aber auch ganz ohne Extrakennzeichnung diesen tollen Service. Die Nordwestbahn zwischen Osnabrück und Bremen sei hier im Sommer wärmstens bzw. kühlstens empfohlen.

Daher trinken auch herumreisende Gruppen, häufig bestehend aus Mitte 50jähriger Frauen aus dem ländlichen Raum, so gerne Sekt in Regionalzügen. Weil man da die Flasche nicht umständlich vorher kühlen muss. Einfach einsteigen und nach kurzer Fahrzeit (die sich die Betreffenden gerne mit dem Verspeisen einiger in Alufolie eingewickelter Brote vertreiben) kann das eisgekühlte Getränk genossen werden.

Wenn sich das eines Tages wirklich herumspricht, kann das Bahnfahren womöglich eine Renaissance auch bei Biertrinkern erleben. Oder die Deutsche Bahn kann eben Themenfahrten anbieten mit den Toten Hosen als Bordband, die große Hits zum Mitsingen darbietet. Vielleicht denke ich bis dahin doch mal über den Kauf eines Autos nach…

 

Affirmative Matratzen

22 Jul

Ich will mir schon seit langem eine neue Matratze kaufen. Mein Schlafsofa ist irgendwie ok, hat aber dennoch ausgedient. Seit ich in meine „neue“ Wohnung gezogen bin, habe ich nun also mein Schlafsofa in das eine Zimmer, gewissermaßen mein Wohnzimmer, verfrachtet und schlafe dort auch recht häufig. In das andere Zimmer, gewissermaßen mein Schlaf-, aber auch gleichzeitig Gästezimmer, habe ich die 90cm breite Matratze einer Freundin gepackt, die ich irgendwann wieder hergeben muss.

Auf einer 90cm breiten Matratze haben im Regelfall keine zwei Personen bequem Platz, es sei denn, sie sind a) sehr klein oder b) mindestens sehr, sehr schmal oder c) wahnsinnig ineinander verliebt und/oder d) an sehr viel körperlicher Nähe (miteinander!) interessiert. Mindestens einer dieser Punkte, möglichst jedoch mehrere sollten zutreffen, damit es für alle beteiligten Personen einigermaßen akzeptabel ist, sich diese Matratze zu teilen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, die ich in einer längeren Beziehung mit einer Person, die im Besitz einer derart schmalen Matratze war, gesammelt habe. Und obgleich sowohl Punkt b zumindest auf einen Beteiligten als auch manchmal Punkt c, situationsbedingt zeitweise auch in Verbindung mit Möglichkeit d, beim Zubettgehen zutrafen, war es doch recht eng.

Nun hat die Industrie sich für solche Fälle wunderbares einfallen lassen: breitere Matratzen. Ich möchte also aufgrund oben aufgeführter Gründe und dargestellter Erfahrungswerte eine breitere Matratze, da ich mir jemanden wünsche, der meine Matratze mit mir teilt. Und andersherum kann und soll es wohl tatsächlich auch gelten – und an dieser Stelle möchte ich auf die Affirmation zu sprechen kommen: Dass ich, weil ich mir jemanden zum Teilen meiner Matratze wünsche, eine breitere Matratze benötige. Ja, da haben jetzt einige Lesende wahrscheinlich den Mund offen stehen, aber ich hörte davon oder bekam auch direkt davon berichtet als indirekten Hinweis an meine Lebensführung (wenn man das mal kapiert hat, ist es so indirekt, wie die Absender meinen, gar nicht und meist auch nicht halb so dezent wie angedacht…), dass, wenn ein Mensch in seinem Leben für das Erwünschte die richtigen Voraussetzungen schafft, auch das Herbeiersehnte eintrifft – ja, erst eintreffen kann! So berichtete mir vor geraumer Zeit eine Freundin, sie habe von dem Fall einer Frau gelesen, die sich einen Partner wünschte, der zudem ein Auto besitzt. Und der sie beratende Mensch (ich habe natürlich wie gewohnt die Details dieser Anekdote vergessen und weiß daher nicht mehr, ob das nun eine spirituelle Lebensberatung oder eine Art „Therapie“ oder was auch immer war) hat sie nicht etwa gefragt, warum sie nicht selbst ein Auto anschafft oder wie sie auf die saudumme Idee kommt, den Besitz des Partners als Voraussetzung für eine gelingende Partnerschaft einzuschätzen – nein! Dieser Mensch hat sie stattdessen gefragt, ob sie denn überhaupt Platz für so einen Menschen in ihrem Leben habe. Nachdem die Frau bejahte hakte er nach, ob das auch einen Stellplatz für ein Auto beinhalte. Nein, gab die Frau zu, da sie ja schließlich selbst nicht im Besitz eines eigenen Fahrzeugs sei, verfüge sie über keinen Stellplatz. Nunja, im Anschluss an die Beratung (ich hoffe sehr, dass sie selbige selbst finanziert hat und nicht etwa die Krankenversicherungssätze der gesetzlichen Versicherung deshalb so hoch sind, weil man derartige Beratungen abrechnen kann!!!) mietete sich die Frau der Anekdote zufolge also einen Stellplatz in der Tiefgarage ihres Wohnhauses. Und – Überraschung! – natürlich währte es nicht lange und die Frau lernte den Autofahrer ihres Herzens kennen.

Und die Moral von der Geschicht’: Schenke Deinen Freundinnen stets gute Bücher, damit sie nicht so ‘n Kram lesen. Ja. Und sonst? Ach ja, eine neue Matratze sollte also, als sich selbst erfüllende Prophezeiung, schon auf einen zukünftigen Liegepartner abgestimmt sein. Breitere Matratze also, wunderbar! Aber dann gibt es noch hunderte andere Eigenschaften, die eine solche Matratze besitzen kann. Es gibt z.B. Matratzen aus völlig unterschiedlichen Materialien, die völlig unterschiedlich behandelt werden sollen und müssen. Woher soll ich denn jetzt bereits wissen, ob sich ein Allergiker die Liegefläche mit mir teilen wird? Und verschiedene Härtegerade gibt’s auch noch, für jeden Geschmack und Rücken eigene. Für schwere Personen werden tendenziell härtere Matratzen empfohlen, für leichtere weichere. Ich selbst wäre also ein Fall für eine weiche Matratze, aber zu zweit bin ich dann schon wieder schwerer. Und weiter weiß ich jetzt eben nicht, wie ich das abschätzen soll. Meine letzte Partnerschaft war eben mit beschriebener Person mit b-Eigenschaft (sehr, sehr schmal), das heißt ja aber nicht, dass das auf die nächste Partnerschaft auch zutreffen muss. Zuletzt habe ich mir gar mit einer schwereren Person eine Matratze in zu wünschender Manier geteilt. Also, wir beide zusammen bringen sicherlich um die 150 Kilo auf die Waage, wenn ich mein Gewicht von vor einem halben Jahr mal als Schätzungsgröße nehme. Das gilt dann also doch wahrscheinlich als eher schwer. Was ist dann aber, wenn ich mir nun eine harte Matratze anschaffe und besagte Person ist gar nicht mehr gewillt – oder zumindest nicht häufig und zudem höchstwahrscheinlich ohnehin schon gar nicht langfristig – meine Matratze zu beschweren? Kriege ich dann mit meiner ultraharten Unterlage nicht bisher nie gekannte Rückenprobleme, weil die Matratze viel zu hart für meine Schlafpartnerfreie Physis ist? Oder gar Gewichtsprobleme?

Ich bin verzweifelt und mit der Entscheidung vollkommen überfordert. Es muss aber eine solche gefällt werden, wenn es in meinem Leben eine Weiterentwicklung im Sinne der Sache geben soll. Das setzt quasi naturgesetzmäßig den Kauf einer Doppelmatratze voraus. Ach, ich nehme einfach eine knallharte und dann hoffe ich, dass per Affirmationserfüllung eine schwerliegende Person in mein Leben tritt und sie mit mir teilt. Wenn nicht, kann ich sie ja hoffentlich umtauschen. Oder meiner Freundin die Einzelmatratze doch für immer abschwätzen…