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Archive for the ‘Liebe und dieser Kram’ Category

Liebe versus Facebook

07 Okt

 

Das böse S-Wort

14 Jul

05.01.11

Warum auch immer, zurzeit stolpere ich ständig über diesen einen Ausdruck: Single! Was ist das für ein Wort und wann fing es damit an? Anglizismen sind für viele Menschen ein Ärgernis, aber das trifft es nicht. Es ist nicht das vielgehasste ‚Denglisch’, dass mich daran stört. Es ist dieser Ausdruck an sich: SINGLE. Was soll das?

Vielleicht werde ich damit konfrontiert, weil ich jetzt nicht nur nicht Teilnehmerin an einer Zweierbeziehung bin (ob jetzt romantisch oder nicht ist Definitionssache – wahlweise der Beziehung oder des politischen Standpunktes der involvierten Personen), sondern auch neuerdings und erstmalig alleine wohne. Ja, ein sogenannter SINGLEhaushalt also. In diesem SINGLEhaushalt lebe ich also als der bzw. die (gibt es an dieser Stelle eine weibliche Form?) SINGLE in meiner SINGLEwohnung mein SINGLEleben. Das hört sich womöglich sehr viel aufregender an als es in echt ist. Das ist aber nicht der Punkt. Denn würde man mir beispielsweise ein aufregend-abenteuerliches Leben nachsagen, oder ein typisches Künstlerszene-Dasein oder eine unkonventionelle Existenz, so würde ich mich wahrscheinlich nicht zur Aufklärung provoziert fühlen und auch nicht protestieren, selbst wenn die Tatsachen dem nicht entsprechen.

Nein, es ist dieser Begriff, der das ganze recht unglamourös erscheinen lässt. Ist es denn tatsächlich mangelnder Glamour? Es liegt eine Abwertung in dem Begriff: Single – jemand, der nicht in der Lage war oder ist, sich in eine Zweierbeziehung zu manövrieren. Oder: Single – jemand, der nicht anpassungs- oder beziehungsfähig genug ist, um sich auf einen (!) anderen Menschen einzulassen und dem natürlichen (!) Bedürfnis nach Familiengründung nachzukommen. Single – der nicht genug mit anderen Menschen umgehen kann, um ein gemeinschaftliches Leben zu teilen. Ein nicht anpassungsfähiges, mit leerem Kühlschrank und halbleeren Bierkästen bestücktes Einzelgängerwesen der unrasierten Sorte, ein Einsiedlerwesen, sich jeglicher Übernahme von Verantwortung widersetzend, eher nicht gesellschaftsfähig. Alkohol- und Drogenmissbrauch stehen an der Tagungsordnung, ein sinnentleertes, oberflächliches Leben wird mit vermeintlich guter Laune und vorgetäuschten sozialen Kontakten kaschiert.

Single – dieser Ausdruck schreit nach therapeutischer Intervention und sei es in Form einer speziell auf diese Spezie ausgerichtete Festivität – der Singleparty. Singlepartys sind Veranstaltungen für Menschen, die sich freiwillig als Single outen, diesen Zustand aber ändern möchten. Die Singlepartybesucher machen sich vorher recht hübsch zurecht, um bald nicht mehr Singlepartybesucher sein zu müssen. Sie besuchen Friseure, Kosmetikerinnen, Fitnessstudios. Sie besprühen und beschmieren sich mit diversen Kosmetika an verschiedenen Körperstellen und wählen ihre Kleidung bewusst aus. Sie stellen sich in die Singleparty-Schlange, lassen sich vom Singleparty-Türsteher mustern und mit einem Singleparty-Nummernschild versehen, schauen sich um, trinken vermutlich häufig andere Getränke als an anderen Abenden, schauen sich um, tanzen anders als an anderen Abenden, schauen sich um, horchen den aufgerufenen Nummern, wenn es darum geht, zu hören, welche Singlepartybesucher Nachrichten erhalten haben, schauen sich um (wahlweise enttäuscht oder freudig erregt). Über was unterhalten sich Singles auf Singlepartys mit Singles? Wahrscheinlich über das Ausüben eines Berufes, was schwierig ist in heutigen Zeiten und wohlüberlegt angegangen werden sollte, wie, kann man wahrscheinlich in einem Ratgeber mit einem Titel wie „Single-Smalltalk für Anfänger und Durchstarter“ nachlesen. Überhaupt kann man recht viel zum Thema nachlesen. An das Thema angrenzende Literatur aus der Laienpsychologie sind hier wahrscheinlich Bestseller, Sammy Molchos Körpersprache-Fibeln und Konsorten lassen grüßen. Sonst gibt es aber auch ?cat=4reichhaltige auf das Klientel zugeschnittene Literatur: „Wege aus der Singlefalle“, „Step by Step: In zehn Schritten Non-Single“, „Nie mehr Lonesome Cowboy“, „Ab jetzt sag ich nur: Schatzilein“ sowie „Vom Ich mit dem Du zum totalen Wir“, um nur einige einschlägige Titel zu nennen.

 

Verlieben

14 Jul

März 2011

Ich bin nicht mehr neidisch auf die Sonntagspaare. Die Zeiten des sonntäglichen Neids auf sonntägliche Zweisamkeit in der Öffentlichkeit sind vorbei. Zum einen ist mir in zunehmendem Maße aufgefallen, dass gar nicht alle Paare so wirklich richtig glücklich aussehen. Ganz im Gegenteil: Es gibt ziemlich viele, die den anderen und scheinbar noch nicht mal sich selbst vorspielen möchten, sie seien ein glückliches Feiertagspaar. Sie sitzen sich schweigend im Straßencafé beim gemeinsamen Frühstück gegenüber und rühren mit starrem Blick in ihren Milchkaffeetassen. Und das Schweigen hört man noch sehr deutlich auf der anderen Straßenseite, es schallt herüber, wenn man vorbeigeht. Und die Blicke der Rührenden – in den Kaffeetassen! – ist ganz nach innen gerichtet, wie um nicht das Gegenüber ansehen zu müssen, sowie gleichzeitig auch nach außen, weit weg, in die Ferne starrend.

Ich gehe erleichtert vorüber und bin von Herzen froh, nicht einen Sonntag in dieser Stimmung verbringen zu müssen. Wie gerne gehe ich doch einfach alleine spazieren! Und lese alleine ein Buch im Café. Oder treffe mich mit anderen, mit denen ich dann anders Zeit verbringe, z.B. redend, lachend.

Weshalb ich aber nun wirklich keine Neidgefühle mehr habe, hat noch einen anderen Grund als den der Erleichterung: Ich werde mich auch verlieben! Woher ich das so genau weiß? Nun, ich habe es höchstpersönlich beschlossen, da sollte es niemanden wundern, dass ich darüber bestens informiert bin…

Und dann, wenn ich dann verliebt bin, werde ich es andauernd – und insbesondere sonntags – dermaßen raushängen lassen, dass alle vor Neid erblassen. Nein, mehr noch: vor Blass erneiden! Ich werde derart offensiv und sichtbar glücklich sein, dass sich alle grämen, schämen, wundern, umgucken werden – jawohl! Ich werde so glücklich sein, dass ich abends zu dem geliebten Menschen sagen muss: „Puh, ich muss jetzt wirklich schlafen, ich muss endlich meine Mundwinkel vom Lächeln ausruhen!“ Ich werde so glücklich sein, dass sich die Menschen auf den Straßen und Plätzen umdrehen und uns staunend nachblicken. Selbst die streitenden Sonntagspärchen mit Tränen in den Augen oder Wut in der Stimme werden verstummen und uns ansehen möchten, weil wir so glühen.

Vielleicht werde ich einen Arzt aufsuchen müssen, um untersuchen lassen, ob die Überproduktion von Glückshormonen schädlich für irgendwelche Organe ist. Vielleicht werde ich nie mehr einkaufen gehen, weil ich herausfinde, dass es tatsächlich möglich ist, von Luft und Liebe zu leben. Und sonntags, da machen wir lange Spaziergänge zu zweit und die Menschen, an denen wir vorübergehen, bekommen etwas ab von unserem Verliebtheitsglühen. Und wir glühen durch den Nachmittag und alle, an denen wir vorbeigehen, beginnen auch ein bisschen, rote Wangen zu kriegen und ein kleines Lächeln und ein schönes, sanftes Ziehen im Bauch und ein ganz klein bisschen Melancholie, weil alles so schön ist. Und dann ziehen wir einen kleinen Verliebtheitsnebel wie ein Flugzeug eine Spur im Himmel hinter uns her und alle, die ihn einatmen, erhaschen noch ein Fünkchen Verliebtheit. Man wird sich wundern in der Klatschpresse, warum alle so gut drauf sind. „Berliner neuerdings optimistischer eingestellt“ und „All you need is love: Neuer Werte-Trend in der Hauptstadt“ werden Überschriften in der Regionalpresse und den Wurfsendezeitungen sein. Sollte Euch eine derartige Entwicklung auffallen in den nächsten Wochen, dann wisst Ihr es: Es ist passiert! Ich habe mich verliebt. Und alle, alle dürfen teilhaben. Besonders sonntags…