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Archive for the ‘Politik des Lebens’ Category

Wahlwerbung 2

07 Okt

Politik von (wirklich sehr weit) unten

 

Wahlwerbung 1

07 Okt

Politik von (sehr weit) unten

 

dagegen 2

07 Okt

Bürgerinitiative in Hessen

 

dagegen 1

07 Okt

Man merkt gleich, wie undogmatisch und humorvoll der Verfasser/die Verfasserin ist!

 

Ice-gekühlter Bommelunder

07 Okt

Früher gab es nach langen Reisen immernoch Hasenbrote zu essen. Die hießen so, obwohl wir während meiner gesamten Kindheit – und die dauert bei den menschlichen Säugetieren bekanntlich ganz schön lange – nie einen einzigen Hasen zu Hause hatten. Nicht mal leihweise. Und diese Brote wurden von überhaupt keinen Hasen gegessen. Nein, man musste sie selbst essen. (Nach der Schule gab es übrigens auch Hasenbrote, während meiner Schulzeit eigentlich jeden Tag, denn ich aß ein paar Jahre lang grundsätzlich meine Pausenbrote nicht. Zum einen fand ich es untragbar uncool, ein mitgebrachtes Brot zu essen, zum anderen hatte ich, seit ich keine Salami mehr aß, über die restlichen Schuljahre – und derer waren es noch unendlich viele – immer den gleichen Frischkäse auf dem Brot. Scheinbar sah sich niemand – weder ich noch andere – berufen, diesen Zustand zu ändern. Noch heute stellen sich mir die Nackenhaare auf, wenn ich diesen Geruch von Kräuterfrischkäse in die Nase kriege).

Diese Hasenbrote sind also nach vollendeter Reise noch übrig, so wie vieles andere auch. Die Erfahrenen unter jenen, die gerne unterwegs sind, haben irgendwann raus, dass sich bestimmte Lebensmittel besser zum Mitnehmen eignen als andere. Bananen z.B. sind eher was für kurze Reisen und man tut gut daran, sie nicht unten in die schwere Tasche zu packen. Gekochte Eier können für ein heimeliges Gefühl unterwegs sorgen, aber auch für schlechte Stimmung im Bahnabteil. Von Döner rate ich aus diesem Grund in möglichst allen Fällen ab. Schokolade eignet sich nur bei kühleren Temperaturen. Überhaupt ist die Witterung zu bedenken. In den Tropen hat sich bewährt, Wasserflaschen vor Reiseantritt einzufrieren, so man über ein Eisfach verfügt. Das kann man aber auch machen, wenn man plant, in der Sommerferienzeit längere Zeit in einem Stau auf einer bundesdeutschen Autobahn zu stehen.

Um die Haltbarkeit der mitgebrachten Lebensmittel brauchen sich Bahnreisende allerdings – vorausgesetzt, sie sind mit Fernzügen unterwegs – keine Gedanken zu machen. Ganz im Gegenteil: So eine Bahnfahrt kann die durchschnittliche Haltbarkeit von Lebensmitteln deutlich verlängern. Das ist einer der vielen wirklich kostenfreien Serviceangebote der Deutschen Bahn, über die bei dem ganzen Geschimpfe über die Bahn nie berichtet wird. Denn wer, gleich welche Witterungsverhältnisse herrschen, in einen ICE einsteigt, wird erleben dürfen, dass sämtliche mitgebrachte Backwaren beim Aussteigen tiefgefroren sind und, vorausgesetzt, man kommt nach der Ankunft schnell an ein Eisfach, kann zu einem beliebigen Zeitpunkt wieder aufgetaut und frisch genossen werden. Hasenbrote sind also Geschichte.

Das ist eine Tatsache, die sich erst langsam verbreitet. Bei Flugzeugreisen ist es gemeinhin bekannt, dass es eher kühl ist. Daher gab es früher auch die Decken, die alle gerne mitgenommen und zum nächsten Picknick wieder mitgebracht haben. Im Flugzeug wundert es einen ja auch nicht, dass es so kalt ist. Die Außentemperaturen werden ja regelmäßig auf den Monitoren angezeigt und bei minus 30 Grad Celsius und derartigen Größenordnungen kann es schon mal sein, dass man so ein Flugzeug innen nicht richtig warm kriegt, wenn die Fenster beispielsweise nicht mehr so gut abgedichtet sind.

Bei einem Zug mag es einen erstmal verwundern, dass auch bei 30 Grad Außentemperatur innen Minusgrade herrschen. An der Geschwindigkeit alleine kann es kaum liegen, dass es so abkühlt. Zumal man ja auch die Fenster gar nicht mehr öffnen kann, so dass das jetzt auch nicht stimmen würde, wenn ich sagen würde, da zieht’s halt…

Nein, das ist eben durchdachter Service. Das kann man nirgendwo so direkt nachlesen, aber die Servicesachen bei der Deutschen Bahn laufen ja ohnehin eher subtil ab. Also, das heißt, man merkt es oft gar nicht so direkt, wie gut der Service so ist. Daher haben die auch viel Werbung, wo sie reinschreiben, dass der Service exzellent ist, damit da mal ein bisschen Transparenz reinkommt. Aber eigentlich kann man es, was die Kühlung der Lebensmittel und Passagiere angeht, schon am Namen erkennen: ICE! Ist doch klar, dass es da eiskalt hergeht. Im IC ist es dagegen schon wärmer. Wegen dem fehlenden E. Manche Züge haben aber auch ganz ohne Extrakennzeichnung diesen tollen Service. Die Nordwestbahn zwischen Osnabrück und Bremen sei hier im Sommer wärmstens bzw. kühlstens empfohlen.

Daher trinken auch herumreisende Gruppen, häufig bestehend aus Mitte 50jähriger Frauen aus dem ländlichen Raum, so gerne Sekt in Regionalzügen. Weil man da die Flasche nicht umständlich vorher kühlen muss. Einfach einsteigen und nach kurzer Fahrzeit (die sich die Betreffenden gerne mit dem Verspeisen einiger in Alufolie eingewickelter Brote vertreiben) kann das eisgekühlte Getränk genossen werden.

Wenn sich das eines Tages wirklich herumspricht, kann das Bahnfahren womöglich eine Renaissance auch bei Biertrinkern erleben. Oder die Deutsche Bahn kann eben Themenfahrten anbieten mit den Toten Hosen als Bordband, die große Hits zum Mitsingen darbietet. Vielleicht denke ich bis dahin doch mal über den Kauf eines Autos nach…

 

raus 1

15 Jul

 

Putzen und Politik

14 Jul

25.04.11

Neulich mit Freunden im Park erwähnte ich, dass ich meine Wohnung dringend mal gründlich putzen müsste. Die anderen bestätigten das für die jeweils eigene Wohnung, wobei einer der Anwesenden andere Gründe als eine Ofenheizung oder allgemeine Faulheit als Ursache für die Verschmutzung vorzubringen hatte: Ihn hatte monatelang die Revolution in Ägypten verschluckt. Dementsprechend sähe seine Wohnung aus. Daraufhin begannen wir im Gespräch, die Zusammenhänge zwischen Putzen bzw. Sauberkeit und Politik zu durchschauen. Wir erkannten, dass eine sehr saubere Wohnung quasi als Indikator für apolitisches Verhalten gelten kann und dass eine solche somit weniger erstrebenswert ist als es vorher den Anschein hatte. Wer will schon als konterrevolutionär gelten? Dies warf weitere Fragen auf: Ist es aus feministischer Perspektive überhaupt zu vertreten, dass Frauen im 21. Jahrhundert noch putzen – noch dazu die eigene Wohnung? Und, wenn wir jeweils Antworten auf diese Fragen finden sollten, wie können wir dann eines Tages noch unsere Wohnung betreten? Soll es ein kollektives Putzen der einzelnen Wohnungen geben? Mehr Spaß würde es sicher machen, und nebenbei könnte über Befreiungstheorien diskutiert werden. Wobei ich wichtig finde, dass auf bestimmte grundlegende Prinzipien geachtet würden. Beispielsweise Judith Butler beim Herdputzen abzuhandeln fände ich blasphemisch. Nebenbei könnte die Internationale o.ä. mehrstimmig eingeübt werden. Vielleicht könnten derartige Veranstaltungen gar dazu dienen, zu politisieren. Indem, unter dem Vorwand der Hausarbeit, kollektiver Kampfgeist gestärkt wird. Das ist vielleicht schwierig zu verteidigen, aber es gibt doch derzeit schließlich auch linksradikale, queerfeministische Strickkollektive. Warum dann nicht Putzen als politischer Akt? Die Frage, woher man einer Wohnung nun ansieht, ob sie politisch oder konterrevolutionär geputzt wird, bleibt. Wie erklärt man beispielsweise seinen Gästen den sauberen Flur oder den blanken Herd? Und, mal abgesehen von der politischen Ebene – sollte eine Wohnung nicht auch die innere Einstellung zum Leben und zur Welt widerspiegeln können? Und wie verträgt sich dann eine staublose Stadtwohnung mit dem verruchten Rock’n Roll-Lifestyle der Digital Bohȇme? Die Fragen bleiben vielleicht bestehen und es gilt womöglich – immernoch und immer wieder – die Widersprüche auszuhalten. Und wahrscheinlich auch den sich reproduzierenden Dreck in der eigenen Wohnung.

 

Kindergarten

14 Jul

Ich habe vor Jahren mal ein Theaterstück für Kindergärten gemacht. Das hat Spaß gemacht. Kindergartenkinder tun einfach, was man ihnen sagt und lachen sich bei jedem Quatsch schlapp, so leicht hat man’s sonst nie im Leben, für Action und gute Unterhaltung zu sorgen.

Ich selbst hätte ja auch einfach nie aus dem Kindergarten rausgehen sollen. Ich erinnere mich auch nicht daran, so richtig gefragt worden zu sein, ob ich das möchte, so dass man mir mal ordentlich die Konsequenzen nähergebracht hätte und so. Sonst hätte ich das bestimmt anders entschieden. Aber mir hat ja wieder keiner was gesagt! Das mit Schule und Studium und Ernst des Lebens ist ja alles schön und gut, aber irgendwie war doch alles um ein Vielfaches simpler und sorgloser damals. Und man hat die Dinge einfach geregelt, so wie Dirk Plamitzer, der zu mir kam und gesagt hat: “Wenn Du mich zu Deinem Geburtstag einlädst, dann heirate ich Dich auch.” Ich habe ihn eingeladen und auch schon weit über 15 Jahre nicht mehr gesehen, aber sollte mich das Gefühl überkommen, es wäre gut, zu heiraten, dann kann ich da doch auf was zurückgreifen. Etwas, das in einfachen Zeiten einfach geregelt wurde…