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Archive for Oktober, 2011

Von Möpsen und Menschen

12 Okt

Möpse sind a) eine ganz hässliche Bezeichnung für etwas sehr Schönes, nämlich weibliche Brüste oder b) eine ganz neutrale Bezeichnung für etwas sehr Hässliches, nämlich kleine faltige Hunde mit eingetreten aussehender Schnauze, unappetitlichem Speichelfluss und abstoßend hechelnder Atmung. Sie sind leider sehr gefragt, in Berlin z.B. und vermutlich auch sonst vielerorts, weshalb man recht häufig, mit derart optisch und auch akustisch1 ungenießbaren Wesen in unfreiwilligen Kontakt tritt, wenn auch meist zum Glück von kurzer Dauer.

Warum ausgerechnet Möpse in Mode gekommen sind, ist mir ein großes Rätsel. So ein Mops ist ja weder schön noch irgendwie praktisch, aufgrund der überzüchteten Daseinsform ist er außerdem Krankheitsanfällig und scheint mir auch sonst auf den ersten Blick (den ich meist zu vermeiden suche, weil ich gerne meine Augen mit schönen Anblicken erfreuen und nicht durch unschöne Aussichten beleidigen möchte) auch zu nichts gut.

Vor geraumer Zeit hörte ich, dass Dackel vom Aussterben bedroht sind. Das ist doch erstaunlich, da sie auch klein und etwas hässlich sind, aber doch wenigstens keine eingetreten aussehende Gesichtsfront aufweisen und zudem zum Jagen gut sind, wenn ich mich recht erinnere. Da es in den letzten Jahren immer mehr wilde Tiere gibt, die sich in Großstädten ansiedeln, könnte das doch bald wieder eine Eigenschaft sein, auf die die Großstadtbewohner Wert legen könnten. Zumal der Genuss von Wildfleisch in heutigen Zeiten für viele nicht erschwinglich ist. Ein Dackel, zumindest als Mischlingsversion, aber vielleicht schon eher. Zudem er, mit dem richtigen Jagdinstinkt ausgestattet, nicht nur Herrchen und Frauchen, sondern außerdem sich selbst ernähren könnte.Gut, erziehen lassen sich Dackel bekanntlich nicht so richtig. Das könnte man aber ihnen auch als punkige Riot-Mentalität zu Gute heißen. Und nicht fruchtende Erziehung ist ja schließlich hier auch teilweise sehr in Mode, z.B. bei den Kindern in angesagten Stadtbezirken…

Ich plädiere also für Dackel als nächste Modehunde. Oder für gar keine Moden mehr in Sachen Haustiere. Eher für mehr Überlegung, welche Tiere man wirklich gerne in der Stadt haben will. Und als Kriterium könnte ja gelten, welche Tiere wohl gerne bei uns in der Stadt leben wollen. Ich mag zum Beispiel gerne die Füchse, die es hier überall gibt. Auf dem Dorf aufgewachsen, habe ich meinen ersten freilaufenden Fuchs am Berliner Ostbahnhof gesehen und seitdem sehr viele. In meinem alten Wohnviertel bin ich manchmal, wenn ich schon sehr früh unterwegs war, von einem Fuchs ein Stück begleitet worden. Das heißt also, dass die Füchse bei uns leben wollen. Und das ist doch schön. So sollte es doch sein, dass jeder da hinziehen darf, wo er hinwill. Und da ein Mops so gar keinen eigenen Willen zu haben scheint, braucht man ihn folglich auch gar nicht weiter zu züchten. Wer nicht will, der hat als Trend dann mal langsam ausgedient.

1Von der olfaktorischen Seite schweige ich an dieser Stelle lieber, das führt zu weit und wird auch wieder nur unnötig eklig. Diesbezüglich bitte bei weiterführendem Interesse die üblichen Berichte von Hunderkotproblematiken in Großstädten sichten…

 

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Man merkt gleich, wie undogmatisch und humorvoll der Verfasser/die Verfasserin ist!

 

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07 Okt

Früher gab es nach langen Reisen immernoch Hasenbrote zu essen. Die hießen so, obwohl wir während meiner gesamten Kindheit – und die dauert bei den menschlichen Säugetieren bekanntlich ganz schön lange – nie einen einzigen Hasen zu Hause hatten. Nicht mal leihweise. Und diese Brote wurden von überhaupt keinen Hasen gegessen. Nein, man musste sie selbst essen. (Nach der Schule gab es übrigens auch Hasenbrote, während meiner Schulzeit eigentlich jeden Tag, denn ich aß ein paar Jahre lang grundsätzlich meine Pausenbrote nicht. Zum einen fand ich es untragbar uncool, ein mitgebrachtes Brot zu essen, zum anderen hatte ich, seit ich keine Salami mehr aß, über die restlichen Schuljahre – und derer waren es noch unendlich viele – immer den gleichen Frischkäse auf dem Brot. Scheinbar sah sich niemand – weder ich noch andere – berufen, diesen Zustand zu ändern. Noch heute stellen sich mir die Nackenhaare auf, wenn ich diesen Geruch von Kräuterfrischkäse in die Nase kriege).

Diese Hasenbrote sind also nach vollendeter Reise noch übrig, so wie vieles andere auch. Die Erfahrenen unter jenen, die gerne unterwegs sind, haben irgendwann raus, dass sich bestimmte Lebensmittel besser zum Mitnehmen eignen als andere. Bananen z.B. sind eher was für kurze Reisen und man tut gut daran, sie nicht unten in die schwere Tasche zu packen. Gekochte Eier können für ein heimeliges Gefühl unterwegs sorgen, aber auch für schlechte Stimmung im Bahnabteil. Von Döner rate ich aus diesem Grund in möglichst allen Fällen ab. Schokolade eignet sich nur bei kühleren Temperaturen. Überhaupt ist die Witterung zu bedenken. In den Tropen hat sich bewährt, Wasserflaschen vor Reiseantritt einzufrieren, so man über ein Eisfach verfügt. Das kann man aber auch machen, wenn man plant, in der Sommerferienzeit längere Zeit in einem Stau auf einer bundesdeutschen Autobahn zu stehen.

Um die Haltbarkeit der mitgebrachten Lebensmittel brauchen sich Bahnreisende allerdings – vorausgesetzt, sie sind mit Fernzügen unterwegs – keine Gedanken zu machen. Ganz im Gegenteil: So eine Bahnfahrt kann die durchschnittliche Haltbarkeit von Lebensmitteln deutlich verlängern. Das ist einer der vielen wirklich kostenfreien Serviceangebote der Deutschen Bahn, über die bei dem ganzen Geschimpfe über die Bahn nie berichtet wird. Denn wer, gleich welche Witterungsverhältnisse herrschen, in einen ICE einsteigt, wird erleben dürfen, dass sämtliche mitgebrachte Backwaren beim Aussteigen tiefgefroren sind und, vorausgesetzt, man kommt nach der Ankunft schnell an ein Eisfach, kann zu einem beliebigen Zeitpunkt wieder aufgetaut und frisch genossen werden. Hasenbrote sind also Geschichte.

Das ist eine Tatsache, die sich erst langsam verbreitet. Bei Flugzeugreisen ist es gemeinhin bekannt, dass es eher kühl ist. Daher gab es früher auch die Decken, die alle gerne mitgenommen und zum nächsten Picknick wieder mitgebracht haben. Im Flugzeug wundert es einen ja auch nicht, dass es so kalt ist. Die Außentemperaturen werden ja regelmäßig auf den Monitoren angezeigt und bei minus 30 Grad Celsius und derartigen Größenordnungen kann es schon mal sein, dass man so ein Flugzeug innen nicht richtig warm kriegt, wenn die Fenster beispielsweise nicht mehr so gut abgedichtet sind.

Bei einem Zug mag es einen erstmal verwundern, dass auch bei 30 Grad Außentemperatur innen Minusgrade herrschen. An der Geschwindigkeit alleine kann es kaum liegen, dass es so abkühlt. Zumal man ja auch die Fenster gar nicht mehr öffnen kann, so dass das jetzt auch nicht stimmen würde, wenn ich sagen würde, da zieht’s halt…

Nein, das ist eben durchdachter Service. Das kann man nirgendwo so direkt nachlesen, aber die Servicesachen bei der Deutschen Bahn laufen ja ohnehin eher subtil ab. Also, das heißt, man merkt es oft gar nicht so direkt, wie gut der Service so ist. Daher haben die auch viel Werbung, wo sie reinschreiben, dass der Service exzellent ist, damit da mal ein bisschen Transparenz reinkommt. Aber eigentlich kann man es, was die Kühlung der Lebensmittel und Passagiere angeht, schon am Namen erkennen: ICE! Ist doch klar, dass es da eiskalt hergeht. Im IC ist es dagegen schon wärmer. Wegen dem fehlenden E. Manche Züge haben aber auch ganz ohne Extrakennzeichnung diesen tollen Service. Die Nordwestbahn zwischen Osnabrück und Bremen sei hier im Sommer wärmstens bzw. kühlstens empfohlen.

Daher trinken auch herumreisende Gruppen, häufig bestehend aus Mitte 50jähriger Frauen aus dem ländlichen Raum, so gerne Sekt in Regionalzügen. Weil man da die Flasche nicht umständlich vorher kühlen muss. Einfach einsteigen und nach kurzer Fahrzeit (die sich die Betreffenden gerne mit dem Verspeisen einiger in Alufolie eingewickelter Brote vertreiben) kann das eisgekühlte Getränk genossen werden.

Wenn sich das eines Tages wirklich herumspricht, kann das Bahnfahren womöglich eine Renaissance auch bei Biertrinkern erleben. Oder die Deutsche Bahn kann eben Themenfahrten anbieten mit den Toten Hosen als Bordband, die große Hits zum Mitsingen darbietet. Vielleicht denke ich bis dahin doch mal über den Kauf eines Autos nach…