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Affirmative Matratzen

22 Jul

Ich will mir schon seit langem eine neue Matratze kaufen. Mein Schlafsofa ist irgendwie ok, hat aber dennoch ausgedient. Seit ich in meine „neue“ Wohnung gezogen bin, habe ich nun also mein Schlafsofa in das eine Zimmer, gewissermaßen mein Wohnzimmer, verfrachtet und schlafe dort auch recht häufig. In das andere Zimmer, gewissermaßen mein Schlaf-, aber auch gleichzeitig Gästezimmer, habe ich die 90cm breite Matratze einer Freundin gepackt, die ich irgendwann wieder hergeben muss.

Auf einer 90cm breiten Matratze haben im Regelfall keine zwei Personen bequem Platz, es sei denn, sie sind a) sehr klein oder b) mindestens sehr, sehr schmal oder c) wahnsinnig ineinander verliebt und/oder d) an sehr viel körperlicher Nähe (miteinander!) interessiert. Mindestens einer dieser Punkte, möglichst jedoch mehrere sollten zutreffen, damit es für alle beteiligten Personen einigermaßen akzeptabel ist, sich diese Matratze zu teilen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, die ich in einer längeren Beziehung mit einer Person, die im Besitz einer derart schmalen Matratze war, gesammelt habe. Und obgleich sowohl Punkt b zumindest auf einen Beteiligten als auch manchmal Punkt c, situationsbedingt zeitweise auch in Verbindung mit Möglichkeit d, beim Zubettgehen zutrafen, war es doch recht eng.

Nun hat die Industrie sich für solche Fälle wunderbares einfallen lassen: breitere Matratzen. Ich möchte also aufgrund oben aufgeführter Gründe und dargestellter Erfahrungswerte eine breitere Matratze, da ich mir jemanden wünsche, der meine Matratze mit mir teilt. Und andersherum kann und soll es wohl tatsächlich auch gelten – und an dieser Stelle möchte ich auf die Affirmation zu sprechen kommen: Dass ich, weil ich mir jemanden zum Teilen meiner Matratze wünsche, eine breitere Matratze benötige. Ja, da haben jetzt einige Lesende wahrscheinlich den Mund offen stehen, aber ich hörte davon oder bekam auch direkt davon berichtet als indirekten Hinweis an meine Lebensführung (wenn man das mal kapiert hat, ist es so indirekt, wie die Absender meinen, gar nicht und meist auch nicht halb so dezent wie angedacht…), dass, wenn ein Mensch in seinem Leben für das Erwünschte die richtigen Voraussetzungen schafft, auch das Herbeiersehnte eintrifft – ja, erst eintreffen kann! So berichtete mir vor geraumer Zeit eine Freundin, sie habe von dem Fall einer Frau gelesen, die sich einen Partner wünschte, der zudem ein Auto besitzt. Und der sie beratende Mensch (ich habe natürlich wie gewohnt die Details dieser Anekdote vergessen und weiß daher nicht mehr, ob das nun eine spirituelle Lebensberatung oder eine Art „Therapie“ oder was auch immer war) hat sie nicht etwa gefragt, warum sie nicht selbst ein Auto anschafft oder wie sie auf die saudumme Idee kommt, den Besitz des Partners als Voraussetzung für eine gelingende Partnerschaft einzuschätzen – nein! Dieser Mensch hat sie stattdessen gefragt, ob sie denn überhaupt Platz für so einen Menschen in ihrem Leben habe. Nachdem die Frau bejahte hakte er nach, ob das auch einen Stellplatz für ein Auto beinhalte. Nein, gab die Frau zu, da sie ja schließlich selbst nicht im Besitz eines eigenen Fahrzeugs sei, verfüge sie über keinen Stellplatz. Nunja, im Anschluss an die Beratung (ich hoffe sehr, dass sie selbige selbst finanziert hat und nicht etwa die Krankenversicherungssätze der gesetzlichen Versicherung deshalb so hoch sind, weil man derartige Beratungen abrechnen kann!!!) mietete sich die Frau der Anekdote zufolge also einen Stellplatz in der Tiefgarage ihres Wohnhauses. Und – Überraschung! – natürlich währte es nicht lange und die Frau lernte den Autofahrer ihres Herzens kennen.

Und die Moral von der Geschicht’: Schenke Deinen Freundinnen stets gute Bücher, damit sie nicht so ‘n Kram lesen. Ja. Und sonst? Ach ja, eine neue Matratze sollte also, als sich selbst erfüllende Prophezeiung, schon auf einen zukünftigen Liegepartner abgestimmt sein. Breitere Matratze also, wunderbar! Aber dann gibt es noch hunderte andere Eigenschaften, die eine solche Matratze besitzen kann. Es gibt z.B. Matratzen aus völlig unterschiedlichen Materialien, die völlig unterschiedlich behandelt werden sollen und müssen. Woher soll ich denn jetzt bereits wissen, ob sich ein Allergiker die Liegefläche mit mir teilen wird? Und verschiedene Härtegerade gibt’s auch noch, für jeden Geschmack und Rücken eigene. Für schwere Personen werden tendenziell härtere Matratzen empfohlen, für leichtere weichere. Ich selbst wäre also ein Fall für eine weiche Matratze, aber zu zweit bin ich dann schon wieder schwerer. Und weiter weiß ich jetzt eben nicht, wie ich das abschätzen soll. Meine letzte Partnerschaft war eben mit beschriebener Person mit b-Eigenschaft (sehr, sehr schmal), das heißt ja aber nicht, dass das auf die nächste Partnerschaft auch zutreffen muss. Zuletzt habe ich mir gar mit einer schwereren Person eine Matratze in zu wünschender Manier geteilt. Also, wir beide zusammen bringen sicherlich um die 150 Kilo auf die Waage, wenn ich mein Gewicht von vor einem halben Jahr mal als Schätzungsgröße nehme. Das gilt dann also doch wahrscheinlich als eher schwer. Was ist dann aber, wenn ich mir nun eine harte Matratze anschaffe und besagte Person ist gar nicht mehr gewillt – oder zumindest nicht häufig und zudem höchstwahrscheinlich ohnehin schon gar nicht langfristig – meine Matratze zu beschweren? Kriege ich dann mit meiner ultraharten Unterlage nicht bisher nie gekannte Rückenprobleme, weil die Matratze viel zu hart für meine Schlafpartnerfreie Physis ist? Oder gar Gewichtsprobleme?

Ich bin verzweifelt und mit der Entscheidung vollkommen überfordert. Es muss aber eine solche gefällt werden, wenn es in meinem Leben eine Weiterentwicklung im Sinne der Sache geben soll. Das setzt quasi naturgesetzmäßig den Kauf einer Doppelmatratze voraus. Ach, ich nehme einfach eine knallharte und dann hoffe ich, dass per Affirmationserfüllung eine schwerliegende Person in mein Leben tritt und sie mit mir teilt. Wenn nicht, kann ich sie ja hoffentlich umtauschen. Oder meiner Freundin die Einzelmatratze doch für immer abschwätzen…

 

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